Samstag, 9. November 2013

18 Jahre Filmzeitschrift shomingeki I.


Titelfoto der Nummer 1 (Fukai Kawa, Kei Kumai, 1995)

Auch wenn seit einiger Zeit keine Printversion erschienen ist, eine Ausgabe wird es im nächsten Jahr ganz sicher noch einmal geben. Und was danach passiert, das weiss keiner. Die nächste Printausgabe ca Mitte 2014 wird dann die Nummer 25 sein. Abos können leider erst verlängert werden, wenn feststeht, dass shomingeki als Printausgabe auch weiterhin erscheinen wird.
Alle Hefte von Nummer 6 bis 24 sind noch verfügbar und können unter der Redaktionsadresse bestellt werden.
In welcher Form auch immer - und auch wenn die Zeitschrift derzeit unterm Sauerstoffzelt liegt - als Print oder als Web-Version, es wird sie weiter geben.
Darum soll mich auch nichts davon abhalten am 30. November den 18.Geburtstag von shomingeki zu feiern. Ein Grund mehr dafür ist, dass eben jener 30. November zufällig auch der 70. Geburtstag meines derzeitigen noch lebenden Lieblingsregisseurs Terrence Malick ist. Und unter den Texten zu Filmen, die ich geschrieben habe, die mir am liebsten sind, ist ganz sicher der Text zu The Tree of Life.

Die erste Ausgabe erschien an diesem besagten 30. November und war nur 36 Seiten dick. Auf der Titelseite war ein Foto aus einem nunmehr vergessenen Meisterwerk des Japaners Kei Kumai (1930-2007) Fukai Kawa.

Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom Juni des folgenden Jahres von Hans Schifferle (eigentlich über 100 Jahre FILMFAUST aber mit einem grossen Abschnitt über die "neue" Zeitschrift shomingeki)  machte shomingeki erst bekannt, einem Artikel, dem ich sehr viel zu verdanken habe.
Kurz nachdem die erste Ausgabe erschienen ist, bekam ich sogar einen Brief von Daniele Huillet, den ich irgendwo noch aufgehoben habe.
1995 war auch das Jahr, in dem ich durch shomingeki mit dem Franko-Kanadier Claude Forget, dem Leiter des ehemaligen Independent Verleih-Kollektivs Cinéma Libre in Kontakt kam, der mich bis zu seinem Tod im Sommer 2008 mit Informationen und Videokassetten des unabhängigen Kinos in Quebec versorgt hat.
Daniele Huillet starb 2006, Kei Kumai 2007 und Claude Forget 2008.
Das waren die traurigsten Jahre von shomingeki.

Rüdiger Tomczak



Freitag, 19. Juli 2013

Schneeland: Dutta Vs. Dutta (Anjan Dutt, Indien 2012)

Schneeland: Dutta Vs. Dutta (Anjan Dutt, Indien 2012): Wie schreibt man einen Text über diesen Film, wenn man noch nie in seinem Leben in Kalkutta war? Und der Film, wie man allerorten liest, ...

Dienstag, 25. Juni 2013

Unsortierte Notizen zu TO THE WONDER von Terrence Malick, USA: 2012



Ich erinnere mich an den Spätsommer 2011. Die oft hitzige leidenschaftliche und manchmal auch erbitterte Diskussion um das umstrittene Meisterwerk The Tree of Life war gerade etwas abgeklungen, da gab die Fipresci den Gewinner ihrer Mitgliederumfrage zum Film des Jahres bekannt: The Tree of Life (meine Stimme natürlich inbegriffen). Die Laudatio schrieb der Australier Adrian Marin, Great Events and Ordinary People, ein wunderbarer Text der bescheiden und doch präzise ein wenig Ordnung und Abkühlung in die aufgeheizte Diskussion um Malicks Film bringt – und nicht zuletzt den Film mit einigen sehr klug ausgesuchten Beispielen aus der Geschichte des Kinos vergleicht.
Der Text ist nicht nur eine angemessene Würdigung dieses Films, er bietet auch mit einfachen und doch wirkungsvollen Mitteln den Film von den weniger ausgetretenen Pfaden zu begehen. Damals war der Text nicht nur Balsam für meine Seele, im Laufe der Zeit habe ich ihn auch schätzen gelernt als eine sehr klare Annäherung an die Filme von Terrence Malick.

Es mag ein wenig hypothetisch klingen To The Wonder gleich in einem Atemzug mit The Tree of life zu den autobiographischen Filmen Malicks zu zählen, wie das einige Kritiker getan haben. Aber in der Art wie Malick die Freuden und Leiden der Liebenden mit der seit seiner Zusammenarbeit mit Emmanuel Lubezki und seiner permanent bewegten Kamera in Gesten und Gesichtsausdrücken einfängt – da kann man sich nicht vorstellen, dass Malick irgendeine Emotion hervorruft, die er selbst nicht empfunden hat. Durch die Filter der gewaltigen technischen Apparate hindurch ist auch dieser Film von einer oft herzzerreißenden Intensität, die mich immer wieder an Ritwik Ghatak erinnert.

So wie sich das Coming of Age-Element in The Tree of Life dem Texas der 50er Jahre öffnet und schließlich der Geschichte des Universums, so verhält sich auch die intime Liebesgeschichte von Neil und Marina zu dem Leben einer amerikanischen Kleinstadt. Lässt die Entrücktheit der Liebe ein wenig nach, öffnet sich der Film zur Architektur einer Kleinstadt und den Menschen, die sie bewohnen. Ein spanische Priester in einer Glaubenskrise und jede Menge unglücklicher Menschen: ein Mädchen, dass sehr früh zur Mutter geworden ist, Junkies, Behinderte, Einsame, Sterbende. Völlig isoliert von der Gesellschaft sind die Insassen eines Zuchthauses, die nur hin und wieder von diesem spanischen Priester besucht werden. Den hinreissenden Landschaften stellt Malick zerstörte und verseuchte Landstriche entgegen, die von Schwermetallen belastet sind und die Gesundheit der Anwohner gefährden. Einige dieser Landschaften, die von Menschen geschändet und zerstört sind, brennen sich im Gedächtnis fest.

Der Blick auf die Welt in Malick´s späten Filmen ist gleichzeitig nach innen und nach aussen gerichtet. Wenn es eine Religiosität in den Filmen Malicks gibt, dann ganz sicher einer der Körper. Und das reicht von zärtlichen Liebesspielen, Berührungen bis hin zu Verletzungen. Und diese Liebe für die sinnlich erfahrbare Materie der Welt, die gibt es sonst wohl nur in den Filmen von Jean Renoir.
Die Ideen, die man in den Film hineininterpretieren kann (oder auch nicht) werden allenfalls hervorgerufen. Malick lässt einem die Freiheit die Dinge, die er zeigt als das zu sehen, was sie sind oder eben abhängig den unterschiedlichen kulturellen oder religiösen Prägungen des Betrachters aufzuladen. Die Dinge an und für sich und diese menschengemachte Aspekt, den man Bedeutung nennt stehen immer in einem dynamischen Verhältnis zueinander.

Man kann die späten Filme Malicks – und vor allem The Tree of Life ind , als universelle Kinowahrheiten sehen, aber auch als einige der persönlichsten Filme, die im gegenwärtigen Kino zu sehen sind, wie das unter anderem Niles Schwartz in seinem hinreiissenden Essay Malick´s Song about Himself V. - The Tree of Life , vorschlägt.

Malicks Kino kennt keine Ironie und schon gar keine Distanz. Er filmt nicht einfach etwas, dass er dann zeigt. Er berührt einen und das im wörtlichen Sinn. Es sind eben diese Berührungen von Menschen und Dingen, die etwas ganz Wesentliches ausmachen in diesen Filmen. Geht Malick mit seiner Handhabung der Apparate und auch mit einer gewissen Künstlichkeit einen anderen Weg als die, die man gemeinhin Minimalisten nennt, kommt er doch zum selben Ergebnis, einer Authentizität, die man spürt. Ob der spanische Priester seine und die Seelen seiner Gläubigen erlösen kann, davon erzählt der Film nicht mehr. Aber am Ende sehen wir den Priester wie er eine alte Frau beim Gehen hilft, einem Sterbenden die Hand hält. Aus dem Off hört man den Priester Jesus anrufen und das klingt eher nach einem Kind, dass sich einen Christus aus Fleisch und Blut vorstellt, ein Wesen mit den Sinnen des Körpers erfassbar, das mit dem schwer fassbaren „heiligen Geist“ wenig zu tun hat.

Wenn die Liebe zwischen Marina und Neil sich auflöst in Entfremdung und Bitterkeit, Gewalt und Distanz bleibt noch die Sehnsucht und die Erinnerung an eng umschlungene Körper.
Was vor allem in der Erinnerung bleibt ist das Licht in diesem Film, vielleicht das schönste, das ich jemals in einem Film gesehen habe. Seit The Tree of Life wissen wir, dass Malick gleichermassen an dem rein physikalischen Phänomen Licht interessiert ist wie an der spirituellen Bedeutung die dem Licht von der Vielfalt der Kulturen und Religionen beigemessen wird. Las Licht, das der Priester mit der Hand an einem Kirchenfenster spürt ist fühlbar, sichtbar und gleichzeitig entrückt. Eine Gegenlicht Aufnahme von Olga Kurylenko, die ihr Gesicht fast wie in einer Röntgenaufnahme erscheinen lässt.

Wie kann man über Filme sprechen, diese nicht verbalen Eindrücke in Worte fassen. Das noch nicht gedachte, sondern das versuchte sprachliche Formulieren von Gefühlen und Fragen seiner Protagonisten ist sicher ein guter Hinweis dafür. Die Fragen die Malicks Filme stellen sind sicher die aufregendsten Fragen, die das gegenwärtige Kino zu bieten hat.

Einem Gerücht zufolge, hat Malick den Film ohne ein ordentliches Drehbuch gedreht. Ob dem so ist, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Vorstellen kann ich es mir schon. Denn an Inspiriertheit, Verspieltheit um nicht zu sagen Tollkühnheit hat Terrence Malick im gegenwärtigen Film nicht sehr viel Konkurrenz. Ich habe natürlich kein Verständnis, wie man einen Film wie To the Wonder ausbuhen oder belächeln kann. Nun ja, wenn man Olga Kurylenkos hinreissenden Tanz im Supermarkt nicht verstanden hat, wird einem Terrence Malick wohl verschlossen bleiben.
To The Wonder ist ein weiteres Füllhorn in dem unendlich dichten Werk von Terrence Malick.


Rüdiger Tomczak






Mittwoch, 1. Mai 2013

Terrence Malick-Retrospektive im Mai Kino Arsenal



I Mai findet im Kino Arsenal (Institut für Film und Videokunst) eine Retrospektive mit Filmen von Terrence Malick statt. Und danach, Ende Mai startet endlich sein neues Meisterwerk To The Wonder in den deutschen Kinos.
Die Termine im Arsenal:

Badlands: 
12.5, Sonntag um 19.30 Uhr (zu Gast Dominik Kamalzadeh), 22.5., Mittwoch, 20.00 Uhr, 31.5, Freitag, 20.00 Uhr.

Days of Heaven:
15.5.Mittwoch, 19.30 Uhr, 30.5. Donnerstag, 20.00 Uhr

The Thin Red Line:
17.5., Freitag, 19.30 Uhr, 24.5., Freitag, 20.00 Uhr

The New World (Kinofassung)
18.5, Samstag, 20.00 Uhr, 21.5., Dienstag, 19.30 Uhr.

The New World (extended Version)
26.5., Sonntag, 19.00 Uhr

The Tree of Life
16.5., Donnerstag, 19.30 Uhr, 19.5, Sunday, 19.30 Uhr, 29.5. Mittwoch, 20.00 Uhr

Ein kurzer Text zur Retrospektive ist auf meiner Webseite zu finden, über The Tree of Life
in shomingeki Nr. 24 in deutsch und eine leicht veränderte Version in Englisch in meinem Blog eine Kompilation von zwei Texten über The New World (aus shomingeki No. 18 und 21 über den Film beziehungsweise den 2008 auf DVD veröffentlichten "extended Cut". Die englische Version der Texte ist hier zu finden.

Ich hoffe, ich muss diese Retrospektive nicht besonders empfehlen, sie ist längst überfällig, aber in diesem Jahr die perfekte Vorbereitung auf To The Wonder und gleichzeitig eine erneute Möglichkeit noch einmal seinen ergreifendsten und vielleicht persönlichsten Film The Tree of Life, zu sehen. 

Rüdiger Tomczak



Montag, 18. Februar 2013

Chiralia, von Santiago Gil, Deutschland: 2013-Berlinale 2013




(Perspektive Deutsches Kino)

Ein Schwenk durch einen Wald. Ein etwa 10-jähriger Junge drüclt sich am Ufer eines Sees herum. Sein Vater ist bereits im Wasser und ruft ihn. Dann schlägt er vor, bis zur Mitte des Sees zu schwimmen. Der Junge geht unter, ist verschwunden. Der Vater ruft vegeblich nach ihm und kehrt zum Campingsplatz zurück. Er steht unter Schock. Eine junge Frau kreuzt den Weg der Herumstehenden, die versuchen dem Vater zu helfen. Einer fragt sie, ob sie das Kind gesehen hätte. Die Frau geht zu ihrem Campingplatz. Ihr Freund kocht. Als sie ihm von dem Jungen erzählt, ist er besorgt und sie ärgerlich, denn sie meint, sie hätte es ihm nicht erzählen sollen. Eines Nachts sitzt der junge Mann allein am See und raucht. Eine alte Frau kommt dazu, die wahrscheinlich diesen Platz immer jeden Morgen aufsucht, um allein zu sein. Der junge Mann erzählt ihr, dass er als Kind beim Schwimmen mit seinem Vater einmal fast ertrunken wäre, seitdem aber nie mehr Angst vor dem Wasser hätte. Allmählich und fast unmerklich gerät die Geschichte in einen seltsamen Strudel.
Ein anderer Schwenk und wir sehen wieder den Vater im Wasser, der seinen Sohn ruft.
Der Film war zusammen mit Die Wiedergänger von Andreas Bolm in einer Vorstellung der Perspektive Deutsches Kino zu sehen. Beide Filme haben einen Hang zur Science Fiction, Bolms Film durch eine fragmentarische postapokalyptische Geschichte, der Film von Santiago Gil durch regelrechte Raum-Zeit-Verwerfungen. Die gleitend fliessenden Kamerabewegungen erinnern nicht nur an Mizoguchi, sondern in der Gleichzeitigkeit von räumlicher und zeitlicher Bewegung erinnern sie vor allem an John Sayles schönstem Film Lone Star.
Die zeitlichen Erzählebenen des Films, die anfangs so klar und übersichtlich erschienen, sind seltsam ineinander gefaltet.
Der Film von Santiago Gil ist eine schöne kleine verrückte Filmphantasie, ähnlich verspielt und wirrschön wie der andere Film der Vostellung Die Wiedergänger von Andreas Bolm.

Rüdiger Tomczak

andere Texte zur Berlinale 2013 (in Englisch) sind auf meinem anderen shomingekiblog.

Freitag, 8. Februar 2013

Hinweis auf Texte zur Berlinale 2013 im shomingekiblog

Wie im letzten Jahr gibt es in meinem englischsprachigen Blog wieder Texte und Notizen zu einigen Filmen der Berlinale. Um sie zu finden, folgen Sie diesem Link:
Berlin Filmfestival 2013

Unter dem tag Berlinale 2013 sind dann alle Texte zu finden, den aktuellsten ganz oben und den ältesten ganz am Schluss.

Samstag, 2. Februar 2013

Apropos François Delisle und das nächste Internationale Forum des Jungen Films 2013



Während des nächsten Internationalen Forums des Jungen Films der Berlinale 2013 wird der neue Film des franko-kanadischen Regisseurs François Delisle aufgeführt. Das ist eine besondere Gelegenheit für mich auf einige ältere Texte auf meiner Webseite hinzuweisen. Es sind Texte über alle 4 bisherigen Langfilme von François Delisle. Mit Ausnahme des Textes über TOI und einem alten Interview von 1994 (deutsch) sind alle Texte in Deutsch und in Englisch zu finden.

Dass LE METEORE auf der nächsten Berlinale zu sehen ist, bedeutet mir sehr viel. 
Erstens, weil ich seit Jahren der Meinung ist, dass Delisles Filme viel mehr Aufmerksamkeit verdienen, als ihnen bisher zugestanden wurde aber auch weil seine Filme ein ganz hervorragender Einstieg in die Independent-Scene des franko-kanadischen Kinos sind.

Für mich persönlich ware sein erster Film RUTH von 1994 der Zugang zu dieser Szene des Kinos aus Quebec. Mein Text über RUTH, noch veröffentlicht in einer der letzten Ausgaben der wunderbaren Zeitschrift filmwärts war der Beginn. Den Film selbst habe ich damals ohne Untertitel auf dem Weltfilmfestival von Montreal gesehen. 
Die Texte aus denen das Dossier François Delisle besteht sind dem Andenken an meinen Freund Claude Forget (1949-2008) gewidmet, einem Independent-Verleiher (der damalige Leiter der 2005 geschlossenen Kooperative Cinéma Libre), Independent-Aktivist, Curator und vor allem einem Kenner der Independent-Scene Quebecs. Mit Ratschlägen und immer wenn nötig auch mit Videokassetten hatte mich Claude immer auf dem Laufenden gehalten und die Filmemacher und Filme, die ich ohne ihn nie kennengelernt hätte, lassen sich nicht mehr zählen. 

Da ich mich durch insgesamt 7 Reisen nach  und sehr vielen Freundschaften sehr verbunden mit der kanadischen Provinz Quebec fühle, gehören die Filme von François Delisle auch zu denen, in denen ich viel von meinen Begegnungen wieder erkenne. Fernab von der Exotik diverser Reisemagazine sind die Filme von François Delisle auch ein Zugang zu Kultur und Lebensgefühl der Menschen in Quebec.

Samstag, 19. Januar 2013

Buchpräsentation - Ein gewisser Herr Lamprecht








 Am 1. Februar 1963 feierte die Deutsche Kinemathek in Berlin Eröffnung. Ihr Gründungsdirektor war Gerhard Lamprecht. Einen Tag vor der 50. Wiederkehr dieses Tages möchten wir der Öffentlichkeit nun die drei Bände vorstellen, mit der die Deutsche Kinemathek das Gesamtwerk ihres Gründers würdigt. Sie beschreiben das filmische Werk Lamprechts, führen ein in die Geschichte des Filmsammelns in Deutschland und spüren der Entstehung einer filmhistorischen Methode nach – dem auf Tonband fixierten Zeitzeugeninterview, dessen Ziel die subjektiv angeordnete Versammlung von möglichst vielen geschichtlichen Fakten ist. 

 Wir würden uns freuen, Sie und Euch am Donnerstag, den 31. Januar 2013 um 19.00 Uhr in der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Filmhaus, 4. Etage, Veranstaltungsraum, Potsdamer Straße 2, 10785 Berlin) begrüßen zu können. Im Anschluss an die Buchpräsentation laden wir Sie zu einem Altberliner Büffet ein. 

 Herzliche Grüße von Rolf Aurich, Wolfgang Jacobsen und Eva Orbanz


Dienstag, 8. Januar 2013

Die zufällige Entdeckung eines neuen Lieblingsregisseurs: Robert Mulligan



Eigentlich kannte ich bisher von Robert Mulligan nur To Kill A Mockingbird. In der letzten Ausgabe von shomingeki gibt es übrigens einen schönen Text von Peter Nau zu The Nickel Ride von Robert Mulligan (den ich mir heute als DVD bestellt habe). Was zu The Tree of Life von Terrence Malick (der Titelstory sozusagen)passen würde, hatte mich Peter Nau damals gefragt. Na ja, antwortete ich spontan würde ich Malick´s Film so zwischen Tarkovsky un diesen wunderbaren To Kill A Mockingbird ansiedeln. So kamen wir dann auf The Nickel Ride und Mulligan.

Vor ein paar Tagen - welch seltsame Koinzidenz - war es ein Tweet von Adrian Martin (der mit Great Events and ordinary people wohl einen der wichtigsten Texte über The Tree of Life veröffentlicht hat), der mich auf einen mir bisher unbekannten Film von Mulligan The Man in the Moon aufmerksam machte, da er ihn - ich weiss nicht mehr so genau wie - mit Malick´s Film in Verbindung gebracht hat. Gut, so habe ich den Film also im Internet gesucht, er schien mir interessant und wurde prompt bestellt.
Das war dann auch Liebe auf den ersten Blick und diese wunderbare Coming-of-Age-Geschichte hat nicht nur was mit dem 20 Jahre später entstandenen Film von Terrence Malick zu tun, sondern ebenso mit Jean Renoirs The River und mit einem nahezu unbekannten Meisterwerk under den Coming-of-Ages-Filmen zu tun: Thuong Nho Dong Que, des Vietnamesen Dang Nhat Minh.

Das ist sozusagen eine mehrfache Freude, einmal diesen wunderschönen The Man in the Moon (Mulligans letzter Film übrigens von 1991) entedeckt zu haben, mich noch einmal bestätigt zu fühlen welch unermessliches Potential in dem von mir geliebten und von vielen anderen verhöhnten The Tree of Life steckt - und schliesslich habe ich endlich dieses Missing-Link zwischen Renoirs The River und eben Malick´s Film in einem Film von Robert Mulligan gefunden. 
 Dann war mein Vergleich mit Tarkovsky wohl doch nicht so glücklich, und ich muss wieder an meine muslimischen Freund in Bombay denken, der Malick mit einem Sufi-Poeten verglichen hat. Und Sufi, jene wunderbare Bewegung die den Glauben an Gott und die Liebe zum Leben nicht gegen einanderstellt, da haben die Filme von Jean Renoir, Robert Mulligan, Dang Nhat Minh und Terrence Malick wirklich etwas gemeinsam.

Rüdiger Tomczak